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Korruptionsprävention: Warum Hinschauen so wichtig ist!

Korruptionsprävention: Warum Hinschauen so wichtig ist!

Es ist Kurzarbeit angesagt: Die reguläre Arbeitszeit für 250 Kollegen der 400 Mitarbeiter der xy GmbH & Co.KG ist vorübergehend verringert, um das Unternehmen bei der schlechten Auftragslage durch eine Reduktion der Personalkosten zu entlasten und Arbeitsplätze zu erhalten. Die Arbeitnehmer müssen dabei Einkommensverluste in Kauf nehmen, da das Kurzarbeitergeld nicht das volle Einkommen ersetzt.
Wird schon irgendwie werden, wenn alle mithelfen, verzichten, kürzer treten.
Doch was ist das? Auf dem Parkplatz des Geschäftsführers steht ein neuer A6 3.0 TDI Quattro in schwarzmetallic. So manches Autoliebhaberherz schlägt schneller, das der Betriebsräte setzt einen Schlag aus. Um das Gesprächsthema während der Pausen und auch zwischendrin muss sich niemand sorgen: „Wir verzichten und der Chef gönnt sich eine neue Mobilie!“ Die Entrüstung ist groß. Die Belegschaft ist sich einig: Sollten in diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten nicht ALLE zusammen stehen, wie die Geschäftsführung auf der letzten Betriebsversammlung an alle appellierte?

Die Mitarbeiter der xy GmbH & Co. erfahren eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen, die an sie gestellt werden und denen, die die Geschäftsführung selbst erfüllt. Dass diese bis in die späten Abendstunden, oftmals an Wochenenden arbeitet, ist für die Mitarbeiter nicht sichtbar. Diese nehmen die Anschaffung des neuen Dienstwagens für den Geschäftsführer als eine Tatsache wahr, die sie als ungerecht empfinden.
Solche Diskrepanzen können in unterschiedlicher Weise Korruptionsbereitschaft fördern: von Ausgleichsgedanken bis hin zu einer negativen Einstellung zum Unternehmen und innerer Kündigung.

Bereits hier setzt wirksame Korruptionsprävention an: Über persönliche Gespräche – außerhalb der jährlichen Zielvereinbarungsgespräche – sollten Risiken erfasst werden. Diskrepanzerfahrungen gehören auf den Tisch! Es fällt in den Aufgabenbereich der Personalabteilung und der Complianceabteilung gleichermaßen, solche Mechanismen systematisch in den Blick zu nehmen und nicht erst dann tätig zu werden, wenn ein Vergehen vorliegt.

Gehen wir einen Schritt zurück: Korruption hängt stärker von psychologischen und sozialen Faktoren im Unternehmen ab, als viele vermuten. Während die Complianceabteilung bislang über Prozesse und Strukturen versucht hat, Korruption entgegenzuwirken, hat sie den Menschen bzw. die Mitarbeiter, die dahinterstehen, vernachlässigt. Verhaltensregeln werden von Menschen umgesetzt oder auch nicht. In der Regel verhalten sich Menschen konform zu ihrer Umwelt. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass es zur Korruption sowohl eines begünstigendes Umfeldes bedarf, als auch eine zu korruptem Verhalten neigende Person.
Ein Korruption begünstigendes Umfeld zeigt sich entweder in vorherrschenden Verhaltensregeln, die korruptem Verhalten nicht entgegen stehen oder in fehlenden Kontrollen und Sanktionen, die zu korruptem Verhalten fast schon einladen.
Eine zu korruptem Verhalten neigende Person zeichnet sich durch eine individuelle Moral aus, die Korruption erlaubt oder sie ist nicht in der Lage mit den eigenen moralischen Standards im Einklang zu leben.

Als Unternehmensführung können Sie maßgeblich die erste Komponente beeinflussen, indem Sie eine Unternehmenskultur etablieren, die zu den Themen, die dem Unternehmen am Herzen liegen, klar Stellung bezieht. Doch welch einer Kultur bedarf es, um die oben angesprochenen Gespräche mit Mitarbeitenden durchzuführen?
Eine Unternehmenskultur, die sich ihrer Werte bewusst ist, diese lebt und entsprechende Verhaltensregeln formuliert ist Grundlage für die nötige Offenheit, Themen in den Blick zu nehmen und anzusprechen, die auf den ersten Blick heikel erscheinen. Auch hier sollte der Mut größer als die Angst sein. Schwieriger wird es für alle, wenn ein Vorfall stattgefunden hat und entdeckt wurde: wichtig ist, dass Sanktionen folgen. Bei Korruptionstaten ist das Prinzip der Abschreckung wirksam, so dass die Strafe oftmals hart ausfällt.
Die Chance auf Prävention blieb hier ungenutzt. Denn die Bereitschaft von Korruption entwickelt sich lange vor der Tat.

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