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Compliancekultur durch Vertrauen

Compliancekultur durch Vertrauen

Compliance, das oftmals als Mode-Thema titulierte Synonym für Regelwut und Bürokratismus, erscheint in einem neuen Gewand: mehr als nur das Einhalten von Gesetzen und Richtlinien, und weniger als die Befürchtung, etwas falsch zu machen. Das Thema Compliance hat sich zu einer Orientierungshilfe etabliert, zu einem Life-Style in Organisationen.

Was erklärt diesen Wandel? Das einst sehr kühle und juristisch dominierte Thema zeigt Züge, die uns helfen, tiefer in die Materie einzusteigen. So erkennen einige Menschen (zumeist im beruflichen Kontext) einen Sinn darin, sich „compliant“ zu verhalten, spüren sogar eine Erleichterung, wenn der Compliance-Officer die ersehnte Antwort gibt.

Jetzt stellt sich die Frage, ob wir in der immer globaler werdenden Welt mehr Orientierung benötigen als früher oder ob die mediale Berichterstattung von Betrug, Bestechung, Steuerhinterziehung und weiterer Delikte durch renommierte Persönlichkeiten unser Bewusstsein bzw. unser Unrecht-Bewusstsein geschärft hat. Vermutlich ist es eine Mischung aus beidem. Das Bedürfnis nach Orientierung signalisiert, sich der eigenen Werte wieder bewusst zu werden. „Hau drauf“ und „Geiz ist geil!“ war gestern. Heute geht es darum, innezuhalten, einen Sinn zu entdecken und dann entsprechend fortzufahren.

Wie kann ein Unternehmen seine Mitarbeiter auf diesem Weg unterstützen oder ermutigen, einen solchen Weg einzuschlagen „ohne von oben herab“ Verhaltensstandards vorzugeben? Werte kann man nicht lehren. Werte werden vermittelt durch äußere Einflüsse wie Erziehung, Schule, Erfahrungen in Freizeit und Beruf und wohnen jedem von uns inne. Es ist nicht Erfolg versprechend, einen Mitarbeiter zum Vertrauen aufzufordern, wenn er Zeit seines Lebens enttäuscht wurde. Dennoch ist Vertrauen ein guter Ausgangspunkt, und zwar von Seiten des Unternehmens. Wenn ein Unternehmen sich entscheidet in Vorleistung zu gehen und seinen Mitarbeitern zu vertrauen ist der erste entscheidende Schritt getan.

Es ist jedoch nur ein erster Schritt. Es darauf beruhen zu lassen, wäre aus unternehmerischer Perspektive zu riskant. Auch wenn es zur Zeit idealistische Ansätze in diese Richtung gibt, wie zum Beispiel das Augenhöhe-Projekt, dann verdient dieser Ansatz große Anerkennung. Doch sind die Grenzen klar definiert durch Recht und Gesetz. Ich kenne niemanden, der für einen anderen ins Gefängnis gehen möchte. Ein Mindestmaß an Kontrolle muss sein. Und das, um das gesamte Unternehmen und die dort bestehenden Arbeitsplätze zu schützen. Ein Mindestmaß an Kontrolle ist auch eine gesellschaftliche Verpflichtung.
Dem Vertrauen, das ein Unternehmen in seine Mitarbeiter setzt sind Grenzen von außen gesetzt. Diese Grenzen müssen dem Unternehmen bekannt sein, um sie einhalten zu können. Bevor es nun jedoch zu bürokratisch wird, sind Augenmaß und Weitsicht gefragt: „Soviel wie nötig, so wenig wie möglich!“ spricht der Volksmund, und das sollte auch für die Umsetzung der unternehmensinternen Compliance gelten. Intern sind die Unternehmer diejenigen, die entscheiden, wie weit sie den Weg des Vertrauens beschreiten.

Eine solche Entscheidung möchte wohl überlegt sein. Eine Hilfe könnte die Erkundung der Werte sein, auf die die Unternehmensphilosophie gründet. Ein Unternehmen kann innovativ und freidenkerisch sein oder diszipliniert und strukturiert; stolz auf Tradition und bereits Erreichtes oder ganzheitlich, zum Wohle aller, stets relativierend.
Fest steht, dass die Unternehmenswerte durch jeden einzelnen Mitarbeiter getragen werden, Führungs- und Fachkräfte gleichermaßen. Es geht um die Haltung der einzelnen  im Sinne der Unternehmenskultur. Menschen passen sich weitestgehend an. Allerdings benötigen einige mehr Orientierung als andere. Die Werte,  auf die die Unternehmenskultur basiert, geben Anhaltspunkte für das richtige Augenmaß zur Umsetzung von unternehmensinternen Richtlinien. Mitarbeiter möchten gefragt werden. Alleine das Signal „wir werden gesehen“ wird sie motivieren, Ansichten ihrem Arbeitgeber mitzuteilen.
Jeder Mitarbeiter trägt einen inneren Reichtum in sich. Dem Unternehmer, dem es gelingt, diesen sichtbar werden zu lassen, wird eine große Entscheidungshilfe bekommen und das nötige Maß an Vertrauen wie an Vorschriften finden.

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